Der 11. November in Colomiers

Deutsch

Gedenken an den Krieg und Feier für den Frieden

Vier Auszüge aus Briefen französischer und deutscher Soldaten im Ersten Weltkrieg:

Depuis notre départ de la Francheville, il me semble qu’il n’y a plus ni nuit ni jour, c’est la même journée qui se prolonge à travers la lumière et l’ombre, parmi les marches forcées et les combats, parmi les souffrances physiques et morales. La réalité dépasse notre imagination.
Et puis, mon pauvre Maurice, il faut réfléchir que les Prussiens sont comme nous. Vois-tu qu’un garçon prussien écrive à son père la même chose que toi et qu’il lui demande un képi de Français, et si ce papa prussien rapportait un képi de Français à son petit garçon et que ce képi fut celui de ton papa ?

Der Krieg verroht Herz und Gemüt, macht den Menschen kalt gegen alles, was ihn sonst ergriff und bewegte. Wer die ganze Tragik der Ereignisse, die schon der normale Tag hier bringt, auf sein Gemüt einwirken lassen will, der muss seinen Verstand verlieren oder mit hochgehobenen Armen zum Feind überlaufen.
Anbei lege ich eine französische Soldatenpostkarte. Die Karte stammt aus der Brieftasche eines gefallenen Franzosen. In den Briefschaften der Franzosen kehrt genau wie bei uns die Frage oft wieder: „Wie soll denn das noch enden?“

Am 11. November, dem Jour de l’Armistice , veranstaltete die Stadt Colomiers eine Gedenkfeier für die Opfer des Ersten Weltkriegs. Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Toulouse und des Lycée International Victor Hugo lasen am Monument aux Morts bewegende Auszüge aus Soldatenbriefen aus dem Ersten Weltkrieg vor: Diese thematisch oft ähnlichen Briefe französischer und deutscher Soldaten stellten sehr eindrucksvoll die ungeheure Zerstörungskraft des Krieges für beide Seiten dar. Schülerinnen und Schüler der englischen Abteilung des Lycée International Victor Hugo boten eine Lesung aus den Memoiren der jungen englischen Krankenschwester Vera Brittain dar, die sich nach ihren erschütterten Kriegserfahrungen aktiv für Pazifismus einsetzte.


Auszüge aus Vera Brittains pazifistischen Schriften lasen die jungen Engländer auf der zweiten Veranstaltung zum 11. November im Rathaus von Colomiers, der cérémonie de la paix, der Feier des Friedens. Im Beitrag der deutschen Schülerinnen und Schüler ging es um die Abschwur von Hass und Gewalt, die der Elsässer René Schickele in seiner deutschen Muttersprache in einem ergreifenden Gedicht zelebrierte. Die französischen Schülerinnen und Schüler zitierten aus einer Rede Victor Hugos, der mit seiner Vorstellung eines vereinten und friedvollen Europas seiner Zeit (leider) weit voraus war. Erst die europäische Einigung, die über 100 Jahre nach der unvergessenen Rede des französischen Dichters und Philosophen auf dem Pariser Friedenskongress im August 1849 einsetzte, ließ Victor Hugos Vision des großen europäischen Friedensprojektes Wirklichkeit werden.
Das gemeinsame Gedenken an das Leid des Krieges und die Würdigung des friedlichen Zusammenlebens der Völker Europas einhundert Jahre nach dem Ersten Weltkrieg an diesem 11. November 2015 vereinte alle Anwesenden in der Gewissheit, dass wir alle gemeinsam für die Beständigkeit des Friedens die Verantwortung tragen.

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