Zweisprachigkeit als Zukunfts-Strategie

Deutsch
Die deutsch-französische Freundschaft ist ihr eine Herzensangelegenheit. Daran ließ die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bei ihrem Besuch der Deutschen Schule Toulouse am 5. November keinen Zweifel. Vor zahlreichen deutschen und französischen Gästen, darunter der Generalkonsul aus Bordeaux, Hans-Werner Bussmann, der Vertreter der Mairie von Toulouse, Maxime Boyer und die Vertreterin der Mairie von Colomiers, Claudine Vauchère, der Proviseur des Lycée International Victor Hugo, Jean-Louis Virazels und der Honorarkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Maître Nicolas Morvilliers, erläuterte sie in ihrer Funktion als Bevollmächtigte der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Angelegenheiten im Rahmen des Vertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit eine ganz besondere Vision für ihr Bundesland: Eine echte Zweisprachigkeit der Bürger als Brücke zum Nachbarland Frankreich.

Der Deutschen Schule Toulouse, bei der sie im Rahmen von „DST Kulturelles“ im Eurocampus zu Gast war, bescheinigte die Ministerpräsidentin eingangs, dass sie mit ihrer Erziehung zur Mehrsprachigkeit und ihrer Öffnung für nicht-deutsche Kinder eine gute Wahl getroffen habe. Sie schaffe damit den Grundstein für die Jugendlichen, das Europa von morgen zu gestalten.

Als Kind einer Grenzregion, in der die Sprache schon immer eine ganz besondere Rolle gespielt hat, vermittelte sie anhand der Frankreich-Strategie des Saarlandes die Bedeutung einer engen nachbarschaftlichen  Zusammenarbeit. Allein durch seine Geschichte und Geographie habe das Bundesland schon von jeher eine besondere Verbindung zu Frankreich gehabt. Die Großregion Lothringen, Luxemburg, Belgien habe zu einem verdichteten europäischen Arbeitsmarkt geführt. Der Einzelhandel erziele inzwischen 20 Prozent seines Umsatzes durch französische Kunden, 110 französische Niederlassungen im Saarland seien ein weiterer Beweis dieser eng verwobenen deutsch-französischen Realität.
Dennoch gehe die Fähigkeit miteinander zu kommunizieren immer mehr verloren, die englische Sprache werde der französischen vorgezogen. „Warum machen wir nicht aus unserer Grenzlage eine Tugend?“ Was Luxemburg scheinbar spielend geschafft hat, das kann sich Annegret Kramp-Karrenbauer auch im Saarland vorstellen. „Wir wollen es innerhalb einer Generation schaffen, dass die Amts- und Bildungssprache Deutsch möglichst konsequent durch Französisch als weitere Amtssprache ergänzt wird.“ Bereits bestehende Angebote wie AbiBac-Schulen, bilinguale Kindertagesstätten oder die Ansiedlung bedeutender deutsch-französischer Institutionen sind nach ihrer Aussage bereits heute wichtige Säulen der Frankreich-Orientierung. Langfristig solle die französische Sprache stärker im Alltag präsent sein: Straßenschilder auf Deutsch und Französisch, zweisprachige Sendungen in den Medien oder entsprechend angepasste Formulare im Rahmen der öffentlichen Kommunikation seien nur einige Beispiele.

Doch eine solche Strategie kann nach Aussage von Annegret Kramp-Karrenbauer nicht von oben verordnet werden. Deshalb habe das Land einen großen Beteiligungsprozess gestartet und auch auf französischer Seite die Menschen befragt. Eine positive Wirtschaftsentwicklung und eine Zusammenarbeit, die von beiden Seiten ausgeht, seien als wichtige Punkte genannt worden. Erste Erfolge gebe es inzwischen mit einer grenzüberschreitenden Vereinbarung für die Ausbildung von Jugendlichen, um ihnen in der Region eine Zukunftsperspektive zu bieten.
„Die deutsch-französische Freundschaft ist heute so nötig wie niemals zuvor,“ stellte die Ministerpräsidentin abschließend fest. „Wir freuen uns über jeden Mitstreiter.“

Fragen aus dem Publikum, beispielsweise zu den Erfahrungen des Saarlandes mit seiner Bildungspolitik, zu den Kosten der Frankreich-Strategie und zu bereits vorhandenen, ähnlichen Konzepten wurden im Anschluss beantwortet. Bei dieser Veranstaltung profitierten französische Zuhörer erstmals von einer Simultan-Übersetzung über Kopfhörer.
Die Deutsche Schule Toulouse konnte, dank der Unterstützung des Generalkonsulats der Bundesrepublik Deutschland in Bordeaux, eine hochkarätige Veranstaltung anbieten, die für die schulische Weiterentwicklung zusätzliche Impulse gab.

Bettina Petersen
Ein interessiertes Publikum mit Gästen aus nah und fern füllte den Saal bis auf den letzten Platz.
Überzeugender Vortrag: Die saarländische Ministerpräsidentin zu Gast bei der Deutschen Schule Toulouse.
Freude über eine bleibende Erinnerung an Toulouse (links die Ministerpräsidentin, rechts die Schulleiterin Susanne Self-Prédhumeau).
Dank an Ulrike Poyda (links) für eine professionelle, unentgeltliche Simultanübersetzung ins Französische vom Vorstandsvorsitzenden Peter Fornell und der Verwaltungsleiterin Evelyn Diesterheft.
Ganz Ohr waren auch die französischen Gäste dank einer Simultanübersetzung über Kopfhörer, im Bild der Proviseur des Lycée International Victor Hugo, Jean-Louis Virazels.

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