Deutsch-französische Woche 2013

Deutsch

Elysée-Vertrag im Praxistest


Deutsche Schule Toulouse und Lycée Victor Hugo feiern Jubiläum gemeinsam

Sie mahnte an, neugierig auf den Nachbarn zu bleiben. Er sprach von einer Schicksalsgemeinschaft. Für beide, Angela Merkel und François Hollande, standen im Januar junge Menschen im Mittelpunkt ihrer Reden zum 50. Jahrestag des Elyséevertrags. Rund 1500 Kilometer entfernt vom politischen Berlin legte derweil eine solche Gemeinschaft letzte Hand an die Vorbereitung zu ihrem Fest. Die Deutsche Schule Toulouse (DST) und das Lycée Victor Hugo feierten die deutsch-französische Freundschaft gemeinsam mit zahlreichen Projekten und einem besonderen Abend.

Die Schulleiter Susanne Self-Prédhumeau (DST) und Jean-Louis Virazels (Lycée Victor Hugo) eröffnen gemeinsam den deutsch-französischen Abend.

Es war ein bisschen wie im Kino, als die 11jährige Malak sagte: „Film ab!“. Das Licht wurde gedimmt im Stufensaal des Lycée Victor Hugo, ein erwartungsvolles Murmeln ging durch die prall gefüllten Reihen von Eltern, Schülern und Lehrern. Amüsiert verfolgten die Zuschauer zu Beginn des deutsch-französischen Abends, wie sich ein Croissant und eine Brezel gegenseitig über die Leinwand jagten, getreu dem Motto „Mange-moi si tu peux“ – „Iss mich, wenn du kannst“. Malak und ihre Mitschüler aus der 6. Klasse hatten diesen Film in Legetricktechnik selbst erstellt und sich dafür Croissant-Experten ins Boot geholt: gleichaltrige Kinder des französischen Collège Victor Hugo nebenan.

Malak (rechts) und eine französische Schülerin sagen Croissant und Brezel an.

Drei Sprachen – drei Lehrer – ein Unterricht

Entstanden war dieses Projekt im trilingualen Unterricht im Fach Kunst. Dort arbeiten Sechstklässler mit den Muttersprachen Englisch, Französisch oder Deutsch zusammen, überwinden Sprachbarrieren und bauen schon früh die Scheu voreinander ab. Auch in den Fächern Musik und Erdkunde erhalten DST-Schüler in den Klassen 7 und 9 Unterricht in drei Sprachen bei drei verschiedenen Lehrern und drücken dabei die Schulbank mit englischen und französischen Jugendlichen. „Kulturdialog versteht sich nicht von selbst“, weiß Schulleiterin Susanne Self-Prédhumeau. „Er muss immer wieder neu initiiert und gepflegt werden, und das tun wir als Deutsche Schule nicht nur zu Jubiläen, sondern jeden Tag.“
Dennoch hatten sich die beiden Schulen für den deutsch-französischen Abend in diesem Jahr besonders ins Zeug gelegt. Oberstufenschüler präsentierten Ergebnisse einer gemeinsamen Podiumsdiskussion zum Thema „Die Türkei und Europa“. „Jetzt vor dem Abitur merken wir häufig erst, wie wichtig die gemeinsamen Projekte mit den französischen Schülern in jüngeren Jahren für unsere Entwicklung waren“, so der ehemalige Schülersprecher der Deutschen Schule Dennis Poyda. Die Siegerinnen der Fälscherwerkstatt aus der 7. Klasse mögen solche Überlegungen noch weniger kümmern. Sie freuten sich über den Preis, den sie als multinationales Team für ihr gemeinsam gefälschtes Gemälde bekamen: Einen Workshop mit einem echten Graffiti-Künstler.

Austausch mit und ohne Sprachbarriere

Eine Reise in die dunkle Vergangenheit Deutschlands und Frankreichs unternahmen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11. Sie hatten sich mit Feldpostbriefen gefallener deutscher und französischer Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg beschäftigt. Gemeinsam mit einer Partnerklasse des Lycée Victor Hugo setzten sie Passagen aus den Briefen in Szene und erinnerten an die anfängliche Euphorie, an Leid und Tod der Gefallenen. So gaben sie denen eine Stimme, die keine mehr haben.
„Es ist uns wichtig, dass sich unsere Schülerinnen und Schüler intellektuell mit dem französischen Umfeld austauschen“, erklärte Susanne Self-Prédhumeau. So übten sich Schüler der DST im Laufe des Schuljahres etwa mit der deutsch-französischen Autorin Sylvie Schenk im kreativen Schreiben, hörten einen Vortrag zu den Wirtschaftsbeziehungen beider Länder und nahmen an einer Jugenddebatte zu 50 Jahren Elysée-Vertrag in Berlin teil. „Genauso notwendig ist aber der unmittelbare Kontakt, zum Beispiel beim Sport, ganz ohne Sprachbarriere.“ So sollte denn auch ein gemischtes deutsch-französisches Team den Sieg beim gemeinsamen Volleyballturnier von DST und Lycée Victor Hugo davontragen.



Angst vor Austern

Ansehnlich war die kulinarische Koproduktion eines Kochkurses der 10. Klasse mit einer Gruppe der französischen Schule. Beim Hauptgericht jedoch schieden sich die Geister. „Ich habe immerhin drei der französischen Jugendlichen dazu gebracht, frische Austern zu probieren“, berichtete Catherine Durou, Französischlehrerin an der Deutschen Schule, und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: „Die deutschen Schüler haben sich allerdings alle nicht getraut.“ Bei der Mousse au chocolat lagen die Jugendlichen dann aber wieder auf einer Linie.
Harmonie herrschte auch beim musikalischen Rahmenprogramm des deutsch-französischen Abends. Das hatten die Musik-AGs beider Schulen in Koproduktion gestaltet. Die jungen Schlagzeuger, Bassisten, Gitarristen und Sänger waren sich in einem Punkt einig und blieben standhaft: Es sollte Rock sein – auf Englisch.

Deutsch-französische Einigkeit bei der Mousse au chocolat.

Die Zehntklässler und ihre kulinarische Koproduktion.

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