Deutsch-französische Schreibwerkstatt

Deutsch

Schreibwerkstatt zwischen den Kulturen

Autorin Sylvie Schenk zu Besuch in der Deutschen Schule Toulouse

Alles beginnt mit dem ersten Satz: Von einem Auftragsmörder ist darin die Rede, der für seine Arbeit selbst auf Urlaub verzichtet. „Das riecht nach Spannung, einem Psychothriller“, sagt die Referentin anerkennend. Der angehende Abiturient Lukas freut sich über das Lob. Immerhin kommt es von Sylvie Schenk, einer etablierten Schriftstellerin, die an diesem Morgen das pädagogische Ruder in der Klasse 12 der Deutschen Schule Toulouse übernommen hat. „Nun wollen wir die Geschichte gemeinsam weiterentwickeln“, lädt sie die 13 weiteren Schüler der Klasse ein. Die lassen daraufhin die Köpfe rauchen.
Die morgendliche Schreibwerkstatt war nicht die erste Begegnung der künftigen Abiturientia mit Sylvie Schenk. Am Abend zuvor hatte die deutsch-französische Literatin im Goethe-Institut in der Toulouser Altstadt aus ihrem neuesten Roman „Der Aufbruch des Erik Jansen“ gelesen. Unter den Zuhörern waren neben Schulleiterin Susanne Self-Prédhumeau und zahlreichen Lehrern eben jene Oberstufenschüler der Deutschen Schule. Eine Französin, für die das Deutsche eine Fremdsprache ist und die dennoch Romane in der Sprache Goethes verfasst? Die einst als Lehrerin arbeitete, dann an Schulbüchern mitwirkte, um sich schließlich ganz der Belletristik zu verschreiben? Das Interesse an der Autorin Schenk war groß. Im Deutschunterricht hatten sich die Schüler zuvor mit Auszügen aus ihrem Werk vertraut gemacht.
Der Besuch der deutsch-französischen Referentin passte in vielerlei Hinsicht zum pädagogischen Profil der Deutschen Schule Toulouse. Da ist zum einen das Selbstverständnis als einem Ort, an dem sich Kulturen begegnen, an dem ein deutsch-französischer Austausch stattfindet. In den vergangenen Jahren wurde hierzu die Zusammenarbeit mit der französischen Gastgeberschule, dem Lycée International, intensiviert. Im trilingualen Unterricht arbeiten Schüler deutscher, französischer und britischer Herkunft als Lerngruppe zusammen. Die alljährliche deutsch-französische Woche wird vermutlich an keiner Schule in Deutschland so begangen wie an der Deutschen Schule Toulouse. Mit gemeinsamen Unterrichtsprojekten, bei einem Sportturnier und einer Abendveranstaltung soll 2013 dem 50jährigen Bestehen des deutsch-französischen Freundschaftsvertrags besonders feierlich gedacht werden. „Bei uns bleibt all das aber nicht nur eine Momentaufnahme“, so Susanne Self-Prédhumeau. „Wir leben die internationale Kooperation täglich. Unsere Schüler sind die Europäer von morgen.“  
Sylvie Schenks Schreibwerkstatt steht außerdem im Kontext der Leseförderung, einem Schwerpunkt der Schulentwicklung der Deutschen Schule. Für dieses Ziel legen sich Lehrerkollegium und Eltern verstärkt ins Zeug, ob mit Vorleseprojekten und Gedichtwettbewerben, einem Bücherflohmarkt oder aufgestockten Schulbüchereien. Dabei geht es nicht nur darum, bei den Schülern Freude am Lesen zu wecken oder zu stärken. „Wir wollen auch einen Beitrag zur Sprachförderung leisten“, erklärt die Schulleiterin der Deutschen Schule. „Denn die hat für deutsche Kinder im Ausland eine noch größere Bedeutung.“
Auswärtige Gäste haben in den Räumen der Deutschen Schule vor den Toren von Toulouse mittlerweile Tradition. Allein in diesem Schuljahr begrüßten die Oberstufenschüler mehrere Experten. Dabei diskutierten sie zum Beispiel die Chancen regenerativer Energien oder die Bedeutung der deutschen Sprache in direktem Kontakt mit den Referenten.
„Deutsch ist eine Sprache, mit der man spielen kann, mehr als mit dem Französischen“, so lautet das Credo von Sylvie Schenk zu diesem Thema. Nun schaut sie den Zwölftklässlern beratend über die Schulter, als diese sich in die Psychologie des Auftragsmörders einzufühlen versuchen. Karina und Julie haben Routine beim Schreiben; sie führen Tagebuch. Auch Luca tut sich leicht; immerhin verfasst er gelegentlich ein alternatives Ende zu Romanen, die er gelesen hat. Die Autorin nimmt das wohlwollend zur Kenntnis.
„Schriftsteller ist ein Beruf, von dem man nicht allein leben kann“, lässt sie die Schüler aber wissen. „Davon kann man nur verhungern.“ Sie kann beruhigt sein. Niemand der angehenden Abiturienten der Deutschen Schule plant eine Karriere im literarischen Fach. Der Motivation der Schüler in ihrer Schreibwerkstatt tut dies an diesem Morgen aber keinen Abbruch.   

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