50 Jahre Elysée-Vertrag 1963-2013

Deutsch

Eröffnung des deutsch-französischen Abends am 12.2.2013 durch die Schulleiterin

50 Jahre Élysée-Vertrag – 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft

Wir feiern in diesem Jahr 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft. 1963 – achtzehn Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und fast ein halbes Jahrhundert nach Ausbruch des 1. Weltkrieges – war das Thema Krieg und Frieden auf beiden Seiten des Rheins noch sehr präsent. Es ist den beiden großen Staatsmännern De Gaulle und Adenauer zu verdanken, dass sie in die Zukunft blickten und eine gemeinsame Vision entwickelten.
Ein Ziel des Elysée-Vertrages war die Aussöhnung zwischen den beiden Ländern; aber De Gaulle und Adenauers Wunsch war noch visionärer: Ihre beiden Völker sollten nicht nur ihre jahrhundertelange Feindschaft überwinden: Aus den ehemaligen Feinden sollten Freunde werden. Ihre größten Hoffnungen setzten De Gaulle und Adenauer dabei auf die Jugend in ihren Ländern.
1963 ist daher auch das Gründungsjahr des Deutsch-Französischen Jugendwerkes, dessen Aufgabe es war, junge Deutsche und Franzosen durch Kultur-, Sport- und Sprachaufenthalte im Partnerland einander näher zu bringen.
Ein weiterer Bestandteil von De Gaulle und Adenauers Vision stellt die Kenntnis der Sprache des Nachbarn dar. Mit der Unterzeichnung des Elysée-Vertrages verpflichteten sich beide Staaten, die Sprache des Partners im eigenen Land zu fördern.
Heute – im Jahre 2013 - ist die Phase der Aussöhnung abgeschlossen und die deutsch-französische Freundschaft verwirklicht. Die Programme des deutsch-französischen Jugendwerkes erreichten durchschnittlich 200.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Jahr.
Das Bild des Anderen in der Bevölkerung beider Staaten ist durch Sympathie und Interesse gekennzeichnet. Eine große Umfrage des deutsch-französischen Fernsehsenders ARTE anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Elysée-Vertrages ergab, dass gegenwärtig – Ende des Jahres 2012 – die direkte Nachkriegszeit für den Blick auf das jeweils andere Land so gut wie keine Rolle mehr spielt.
Knapp die Hälfte der Deutschen und der Franzosen denken weder an Krieg noch an Frieden, wenn es um das Nachbarland geht. Der große Erfolg der deutsch-französischen Annäherung in den letzten 50 Jahren wird durchweg durch die Umfrageergebnisse von ARTE belegt: Beispielsweise würde deutlich über die Hälfte der französischen Befragten gerne in Deutschland leben und arbeiten. Auch mehr als die Hälfte der deutschen Befragten würde gerne in Frankreich leben.
Es scheint auch eine große gegenseitige Zuneigung zu geben: Insgesamt 82% der befragten Deutschen und 73% der befragten Franzosen gaben an, das Nachbarland leidenschaftlich oder sehr zu mögen. Auch schätzen Deutsche und Franzosen heute die Kultur des Partnerlandes: 82 Prozent der Deutschen haben im vergangenen Jahr ein Stück eines französischen Musikers gehört oder einen französischen Film gesehen – die meisten leider nicht auf Französisch. Und mehr als die Hälfte der Franzosen haben ein Stück eines deutschen Musikers gehört, einen deutschen Film gesehen oder ein deutsches Buch gelesen – die meisten leider nicht auf Deutsch.
Hier sind wir bei einem Ziel des Elysée-Vertrags, das in beiden Ländern leider nicht erreicht wurde. Das Erlernen der Sprache des Partners geht leider in Deutschland und in Frankreich von Jahr zu Jahr zurück, oder hält sich bestenfalls auf einem niedrigen Niveau.
Diese Situation ist beunruhigend. Denn wie kann eine Partnerschaft funktionieren, wenn man die Sprache des Anderen nicht spricht? Das funktioniert schon im privaten, persönlichen Bereich kaum. Wie also soll sich eine Freundschaft entwickeln, wenn man sich zur Verständigung einer dritten Sprache – in der Regel Englisch - bedienen muss.
Hier liegt meines Erachtens die zukünftige Herausforderung – insbesondere der Bildungspolitiker und der Schulen in beiden Ländern: die Rahmenbedingungen und die Motivation schaffen, dass Jugendliche heute mit Freude und Interesse die andere Sprache erlernen und sie bei zahlreichen Begegnungen anwenden und vertiefen.
Glücklicherweise stellen wir – die DST und das Lycée International – uns dieser Herausforderung schon seit nahezu 30 Jahren: seit 1984, als die Deutsche Schule hier in das Gebäude des Lycée International einzog und seitdem sehr eng in vielen Bereichen kooperiert. Alle Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule lernen Französisch, und das Lycée International schuf bereits 1996 einen Abibac-Zweig, der inzwischen mit seinen über 200 Abibac-Absolventen einen großen Beitrag zur deutsch-französischen Verständigung geleistet hat.
Das Lernen unter einem Dach ermöglicht unseren beiden Schulen gemeinsame Unterrichtsprojekte mit dem expliziten Ziel des sprachlichen und kulturellen Austauschs und dem impliziten Wunsch, die Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler möge das gegenseitige Verständnis fördern und vielleicht auch Freundschaften entstehen lassen.
Die Projekte, die wir Ihnen heute Abend vorstellen werden, sind im gemeinsamen Unterricht zwischen der DST und dem Lycée International entstanden: im trilingualen Kunstunterricht der Klassen 6, 7 und 10, im Geschichts-und Politikunterricht der Klassen 11 und 12 und beim gemeinsamen jahrgangsübergreifenden Musizieren.
À propos trilingual: Ich möchte (als Englischlehrerin) an dieser Stelle keineswegs die Bedeutung des Englischen in Frage stellen: Im Gegenteil, ich bin der Meinung, dass heute jeder Europäer zwei Fremdsprachen auf hohem Niveau beherrschen muss.
Aus diesem Grunde freue ich mich sehr, dass unsere beiden Schulen – die Deutsche Schule und das Lycée International - die einzigartige Gelegenheit haben, die anglophonen Schülerinnen und Schülern und die Lehrkräfte von English 31 in unsere Projekte mit einzubeziehen, um im direkten Austausch Fremdsprachenlernen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
In dieser Hinsicht ist das Lycée International zukunftsweisend: Es beherbergt nicht nur die Deutsche Schule, sondern auch English 31. Durch die Begegnung der drei Kulturen und Sprachen werden unsere Schülerinnen und Schüler sich zu multilingualen, multikulturellen Persönlichkeiten entwickeln, die ihre zukünftigen Aufgaben hoch motiviert und bestens qualifiziert meistern werden.
Susanne Self-Prédhumeau
Schulleiterin der Deutschen Schule Toulouse

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